
Sagaischek & Weininger
Die vorliegende Abhandlung ist meinem langjährigen Studienkollegen, Büropartner und Freund Christian Weininger, der am 23. Februar 2009 auf tragische Weise ums Leben gekommen ist, gewidmet. Auf der Technischen Universität Wien haben wir uns 1981 im ersten Semester in der Hochbauvorlesung kennengelernt und fünf Jahre lang gemeinsam studiert. Wir sind zusammen – wie es der Studienplan vorsieht – nach Venedig malen gefahren und haben an diversen weiteren Architekturexkursionen teilgenommen. Nach dem Studium zunächst aus den Augen verloren, haben wir uns – von gelegentlichen Besuchen von Vernissagen abgesehen – erst 1995 wieder regelmäßig getroffen. Daraus sollte eine Zusammenarbeit entstehen, die bis 2009 angedauert und zahlreiche erfolgreiche Architekturprojekte hervorgebracht hat.
Christian Weininger war 1995 in der Hauptsache Maler mit einem Atelier in Wien und mit kleineren Architekturaufträgen beschäftigt. Später gründet er seinen erfolgreichen Schaumweinhandel „Jeroboam“ in der Schleifmühlgasse. Ich hatte zu jener Zeit eine Ziviltechnikerkanzlei mit mehreren Mitarbeitern in Pressbaum und war in der Hauptsache mit Wohnbau und vor allem der Kunstgeschichte beschäftigt.
Das Atelier SW – „Sagaischek & Weininger, Atelier für Architekturtheorie und Baukunst“ – wie wir es anfangs genannt hatten, hat unabhängig von unseren sonstigen Arbeiten herausragende Gestaltungsaufträge bearbeitet und sich gleichzeitig mit Architekturtheorie beschäftigt. 1995 anlässlich eines Auftrages für den Umbau der „Turmvilla“ in Pressbaum gegründet, hat unsere – auch privat so wertvolle – Zusammenarbeit letztlich bis 2009 angehalten.
Die Komplexität der Aufgabe einer Sockelsanierung, bei der auch der Neubau eines Wohngebäudes in der Fünkhgasse vorgesehen war, hat zu intensiver Projektarbeit in Wien und Pressbaum geführt. Nach einer Exkursion in die Il de France zu den Wurzeln gotischer Architektur im Herbst 1995 war die Zusammenarbeit auch theoretisch definiert.
Der Erfolg des Gebäudes in der Fünkhgasse – nach der Fertigstellung 1997 im Ort „das Schiff“ oder „Katamaran“ benannt“ – kann als Initialzündung des Ateliers SW bezeichnet werden. Zahlreiche theoretische Studien, teilweise auch anlässlich von Entwurfsaufträgen für mögliche Bebauungen in der Region, folgten. Hier sind vor allem die Arbeiten um die Wohnbebauung am Wienerwaldsee, am Gemeindezentrum in Tullnerbach und in „In der Bonna“ anzuführen, alles Projekte aus 1996, die nicht oder erst Jahre später von anderen Bauherrn realisiert worden sind.
1997 sollte neben der andauernden Planung für die „Turmvilla“ – ein Umwidmungsverfahren hat dieses Projekt immer wieder verzögert – ein weiterer Entwurfsauftrag für eine Wienerwaldvilla folgen. Bei dieser Arbeit ist auch die Technik der zeichnerischen Ausführung zu nennen, da Weininger wohl einer der wenigen Letzten gewesen ist, der mit einem „air-brush“-Pinsel zeichnen konnte.
Dem Fünffamilienhaus beim „Quellenhof“, wo, ähnlich des Gestaltungsvorschlages bei der Wohnbebauung in „In der Bonna“, bewusst traditionelle Elemente verwendet worden sind, folgte 2000 im burgenländischen Stadtschlaining ein Planungsauftrag für die Umgestaltung der denkmalgeschützten ehemaligen Volksschule in ein Gebäude mit Altenwohnungen. Die Beschäftigung mit tradierten Bauweisen auf dem Lande führte zu – allerdings bis heute unveröffentlichen – umfangreichen Abhandlungen und Schriften, die unter anderem auch englische Gartenstädte und vor allem die Werkbundsiedlung in Stuttgart beinhaltet hatten.
2003 sollte ein weiterer Höhepunkt mit dem Neubau einer zweigeschossigen Eingangshalle mit Besprechungsraum und Galerie für die Firma DFM-Rohrbach folgen. Über elliptischem Grundriss schweben – eingefasst von einer organisch geschwungenen Fassade, die dem von DFM gefertigten Prototyp der österreichischen Lokomotive „Taurus“ der ÖBB nachempfunden ist – die rundum verglasten Räumlichkeiten der Geschäftsleitung. Der Entwurf ist parallel neben dem Versuch Christians malerisches Werk zu katalogisieren in seinem Wiener Atelier entstanden, und stellt hinsichtlich des Entstehungsprozesses den Zenith unserer Zusammenarbeit dar.
Obwohl nicht realisiert, dokumentiert die Einreichplanung für ein Sanitätshaus mit Luxuswohnungen in den oberen Geschossen im Stuttgarter Vorort Schorndorf von 2004 zum einem das Wagnis, gestalterisch grenzüberschreitend zu wirken. Zum anderen hat sich durch diesen Planungsauftrag die weitere Auseinandersetzung mit dem Bauhaus und dem Deutschen Werkbund quasi ergeben. Der positiven Vorbegutachtung der örtlichen Baubehörden ist dann bedauerlicherweise die Zusage der Bank für die Finanzierung versagt geblieben.
2006 haben die Entwurfsarbeiten für die Umgestaltung der Räumlichkeiten einer Bäckerei samt Wohntrakt in Micheldorf in Oberösterreich begonnen. Der etwa acht Meter hohe ehemalige Getreidespeicher ist in den Wohnbereich miteinbezogen worden. Umgesetzt wurde diese Aufgabe allerdings erst ab 2010. Dem Umbau eines Weinkellers samt Aufstockung eines Wohnbereiches in Göttlesbrunn aus 2006 sind Entwurfsaufgaben für Luxuswohnungen in Wien gefolgt. Die Gestaltung des Champagnerzentrums „Le Cru“ am Wiener Petersplatz 2008 sollte das letzte gemeinsame, realisierte Projekt werden.
Franz Sagaischek, Februar 2013



















